Von Totschlagargumenten und Killerphrasen

In der letzten Woche hatte ich Handwerker zu Gast! Nach der ersten Tasse Kaffee und einer Wohnungsbegehung war schnell klar, was alles nicht geht: nämlich so ziemlich sämtliche Arbeiten, die mich überhaupt dazu bewegt haben, die Handwerker einzuladen. Das war ein seltsam vertrautes Gefühl, denn wir kennen es alle: ob im Meeting, Workshop oder auch privat mit Freunden – sobald eine neue Idee offen ausgesprochen ist oder ein innovativer Vorschlag auf dem Tisch liegt, sprudelt es geradezu aus dem Gegenüber heraus, dass das alles nicht so funktioniert, wie man es sich bunt in seinen Träumen ausgemalt hat.

Was hingegen tatsächlich interessant wäre, ist doch aber die Barriere WARUM etwas nicht geht oder WAS getan werden müsste, damit die Wunschvorstellung in die Realität übertragen werden kann! Stattdessen die Klassiker: das haben wir schon alles probiert, das kauft doch keiner oder (einer meiner Favoriten) das haben wir noch nie so gemacht! Wenn ein Satz so beginnt, kann mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die anschließenden Worte, so absolut niemanden weiterbringen werden.

Doch an der einen oder anderen Stelle brauchen wir manchmal ein abgefahrenes Konzept, einen innovativen Gedanken oder auch einen frischen Ansatz für ein altes Problem, um voran zu kommen, uns von Wettbewerbern abzuheben oder neue Herausforderungen anzugehen. Denn wie auch schon Einstein wusste „Wenn du immer das tust, was du immer getan hast, wirst du immer das bekommen, was du immer bekommen hast.“ Wer sich nicht der Dynamik des schnellen Umfelds anpasst, bleibt leicht ein ewig Gestriger und neue Ideen schaffen es nur langsam oder gar nicht in die Umsetzung.

Um diese Hürde zu überwinden empfehle ich, den „Das geht nur, wenn“-Ansatz auszuprobieren. Stellt Ihnen jemand mal eine fancy Idee vor, versuchen Sie Folgendes:
1.) kurz innehalten und die Antwort mit „Das geht nur, wenn…“ beginnen
2.) den Impuls unterdrücken ein „die Hölle zufriert“ anzuschließen (wichtig!)
3.) danach einen Nebensatz formulieren, der aus Ihrer Perspektive diese Idee möglich machen würde. Auch wenn die Technik noch nicht verfügbar sein sollte, die Lösung wahnsinnig viel Geld verschlingt oder Ihr Ansatz aus anderen Gründen nicht möglich erscheint – einfach den konstruktiven Weg wählen, um die Sache voran zu bringen, statt sie von vorn herein abzuwürgen. Andere Kollegen können dann auf Ihren Gedanken aufbauen. So hangelt sich das Team Schritt für Schritt zu einer potenziellen Lösung.

Sind Sie derjenige, der den hippen Einfall hatte und nach der Präsentation in eine Runde fragender Gesichter schaut, dürfen Sie gern vorschlagen, dass jeder Ihrer Kollegen doch seine Antwort mit einem „Das geht nur, wenn…“ beginnt. Die gesammelten Antworten geben sicher einige Impulse für die weitere Umsetzung und bremsen gleichzeitig die Negativspirale aus.

Viel Spaß beim Experimentieren!