Ein neuer Mitarbeiter auf dem Schrottplatz – wie Drohnen die Inventur automatisieren

Eine Inventur macht in keiner Branche wirklich Spaß, doch auf einem Wertstoffhof ist sie ein besonderer Kraftakt: Das üblicherweise lose lagernde Material muss sortenrein in Container umgefüllt und danach mit schwerem Gerät einzeln zur Waage transportiert werden. Erst dann kann aus dem ermittelten Gewicht der Wert des Rohstoffs abgeleitet werden.
Doch das ist längst nicht alles. Denn auch um für weitere Materiallieferungen die verfügbare Lagerfläche zu kennen, ist die regelmäßige Bestandsaufnahme auf einem Schrottplatz elementar.
Da es bisher keine Lösung gibt, die Daten automatisch und kontinuierlich aktuell zu halten, sind die Mitarbeiter auf einem Wertstoffhof gezwungen, bei regelmäßigen Runden über den Platz die gelagerten Mengen „pi mal Daumen” zu schätzen. Das ist sowohl mühselig als auch recht ungenau.

Spielraum für Verbesserungen
Wir im ALBA BluehouseLab haben uns die Frage gestellt, wie sich die Inventur auf Schrottplätzen mittels Technologie unterstützen und dadurch effizienter gestalten lässt.
Unser Ansatz ist die automatisierte Volumenbestimmung der Bestände über Kameras, die aus der Luft Aufnahmen machen. Aus diesen Fotos soll sich danach das Gewicht der Schrottmengen ableiten lassen. Da die Höfe aber flexibel genutzt werden, Altmetall beispielsweise nicht immer an derselben Stelle gelagert wird, muss eine flexible Lösung her. Hier kommen Kamera-Drohnen zum Einsatz. Sie sollen zu digitalen Helferlein bei der regelmäßigen Inventur auf den Wertstoffhöfen werden.

Für die Umsetzung des Drohnen-Projekts arbeitet unser Team mit einem jungen Unternehmen zusammen, das Drohnen entwickelt, die unter anderem speziell auf Vermessung ausgelegt sind. In unseren Versuchen haben wir die Drohnen den Testplatz überfliegen und ein 3D-Photogrammetrie-Bild erstellen lassen. Aus diesem kann das Volumen und letztlich das Gewicht des Schrotts geschätzt werden.

Nach dem Test ist vor dem Test
Unsere Testphase haben wir erfolgreich abgeschlossen. Auf dem Weg zum ersten richtigen Einsatz der Drohnen geht es nun darum, an einigen Stellschrauben zu drehen.
Beispielsweise kommt es durch das viele Metall auf einem Schrottplatz vor, dass das Magnetfeld gestört wird, an dem sich die Drohne auf ihrer Route über den Platz orientiert. Wir arbeiten außerdem daran, die manuelle Arbeit bei der Auswertung der Kamerabilder weiter zu reduzieren.

Und wie geht’s jetzt weiter?
Im nächsten Projektschritt soll die Technologie weiter verfeinert werden, um täglich eine automatische Erfassung der Bestände auf dem Hof zu ermöglichen. Die gesammelten Daten sollen dann in Echtzeit an ein zentrales System übermittelt und automatisch erfasst werden. Zusätzlich zur Volumenbestimmung soll eine automatische Klassifizierung von Sorte und Qualität der lagernden Rohstoffe erfolgen. Erst dann können wir das Gewicht der Schrotthaufen automatisch schätzen. Bis zum vollautomatischen Produkt ist es jedoch noch ein weiter Weg.

Der unschlagbare Vorteil der Drohne als neuem Mitarbeiter auf den Schrottplätzen lässt sich jedoch bereits jetzt klar erkennen: Sie nimmt ihren menschlichen Kollegen wiederkehrende Arbeit ab, die sich dann um die wirklich wichtigen Aufgaben kümmern können. Das Team wird entlastet und gewinnt dadurch Zeit für verantwortungsvolle, abwechslungsreiche und wertschöpfende Tätigkeiten.